Training & Bewegung · Arthrose-Reihe · Teil 2 von 4

Eine passende Dosis finden

Training bei Arthrose: Belastbarkeit schrittweise aufbauen

Bewegung gehört zu den zentralen Behandlungen bei Knie- und Hüftarthrose. Die praktische Frage lautet: Welche Bewegung passt heute zu meinem Gelenk, meiner Kraft und meinem Alltag? Ein guter Einstieg verbindet wirksame Reize mit einer Belastung, die wiederholbar bleibt.

Zuletzt fachlich aktualisiert: Oktober 2026

Was Training leisten kann – und was nicht

Angepasstes Training kann Schmerzen verringern und die Gelenkfunktion verbessern. Bei Knie- und Hüftarthrose gehören Kräftigung und regelmäßige Bewegung zur Basisversorgung. Ein Nutzen setzt keinen Gewichtsverlust voraus. [1, 2]

Das bedeutet keine Heilungsgarantie und keinen nachgewiesenen Wiederaufbau verlorenen Knorpels. Training entwickelt Fähigkeiten: kontrolliert aufstehen, eine Strecke gehen, Lasten besser bewältigen und sich wieder mehr zutrauen. Die passende Übung richtet sich nach dem betroffenen Gelenk und deiner aktuellen Situation.

Nicht jede Arthrose braucht dasselbe Programm

Das folgende Beispiel betrifft einen vorsichtigen Einstieg bei stabiler Knie- oder Hüftarthrose. Für Handarthrose, einen akuten Schub, eine frische Operation oder ein künstliches Gelenk gelten andere Anforderungen. Bei deutlicher Einschränkung hilft physiotherapeutische Anleitung.

Vier Bausteine verbinden

Bewegungsformen und ihre praktische Aufgabe
BausteinMögliche UmsetzungWorauf es ankommt
KraftAufstehen vom Stuhl, Kniestrecken im Sitzen, angepasste HüftübungenKontrollierte Bewegung und eine passende Schwierigkeit wählen.
AusdauerKurze Gehstrecken, Radfahren oder Bewegung im WasserEine Form finden, die sich regelmäßig verträglich wiederholen lässt.
BeweglichkeitKnie und Hüfte langsam im verfügbaren Bereich bewegenBewegungsspielraum nutzen, ohne schmerzhaft in Endpositionen zu drücken.
KoordinationGewichtsverlagerung oder Balance nahe einer festen StützeSicherheit und Bewegungskontrolle vor zusätzlicher Schwierigkeit.

Die Mischung kann wechseln: Wer schlecht gehen kann, findet auf dem Ergometer möglicherweise einen leichteren Ausdauereinstieg. Wer schon viel geht, braucht trotzdem gezielte Kräftigung. Dauerhaft nur zu mobilisieren ersetzt keinen Kraftreiz. [1, 2]

Ein kleines Einstiegsbeispiel für zu Hause

Redaktionelles Praxisbeispiel, kein universeller Therapieplan: Für eine bekannte, stabile Knie- oder Hüftarthrose ohne akute Warnzeichen kannst du mit einer Fachkraft eine kurze Einheit wie diese erproben. Die Mengen sind vorsichtige Ausgangspunkte und dürfen deutlich kleiner ausfallen.

Eine mögliche kurze Einheit
ÜbungAusführungLeichtere Variante
3–5 Minuten vorbereitenLocker gehen oder auf einem Ergometer bewegen.Kürzer beginnen oder im Sitzen behutsam Beine bewegen.
5–8-mal vom Stuhl aufstehenStabilen Stuhl an die Wand stellen. Füße sicher aufsetzen, leicht nach vorn neigen, kontrolliert aufstehen und zurücksetzen.Höhere Sitzfläche oder Hände zur Unterstützung nutzen.
5–8-mal je Seite KniestreckenIm Sitzen einen Unterschenkel langsam anheben und wieder absenken. Nur den gut tolerierten Bewegungsbereich nutzen.Kleinerer Bewegungsweg; zunächst ohne Zusatzgewicht.
5–8-mal je Seite seitlich verlagernAn einer festen Arbeitsplatte stehen und das Gewicht langsam von einem Fuß auf den anderen verlagern.Mit beiden Händen stützen und nur wenig verlagern.

Zwischen Übungen pausieren, weiteratmen und früh aufhören, wenn die Kontrolle nachlässt. Für die Kräftigung können zunächst zwei getrennte Termine pro Woche als organisatorischer Rahmen dienen. Kurze Bewegungsphasen passen zusätzlich an andere Tage. Entscheidend ist die individuell verträgliche Dosis.

Bei schmerzhafter Bewegung kann eine Fachkraft zeitweise eine passende Halteübung auswählen. Isometrisches Training ist eine mögliche Variante, keine grundsätzlich überlegene Arthrosetherapie. Auch dabei entstehen Gelenkkräfte.

Beschwerden als Rückmeldung nutzen

Leichte, vorübergehende Beschwerden beim Einstieg können vorkommen. Zunehmend starke Schmerzen, deutliche Schwellung oder länger anhaltende Verschlechterung sprechen für eine Anpassung und gegebenenfalls Abklärung. [2]

Praktische Orientierung zur Reaktion – keine starre medizinische Grenzregel
BeobachtungNächster Schritt
Leichte, bekannte Beschwerden; Bewegung bleibt kontrolliert; Alltag anschließend kaum beeinträchtigtDosis zunächst beibehalten und den weiteren Verlauf beobachten.
Beschwerden nehmen während der Einheit zu oder der nächste Tag ist deutlich schwierigerWiederholungen, Widerstand, Bewegungsweg oder Dauer reduzieren. Bei wiederkehrender Reaktion fachlich prüfen lassen.
Plötzlich starker Schmerz, neue deutliche Schwellung, Hitze oder BelastungsunfähigkeitTraining unterbrechen und ärztlich abklären.

Notiere bei Bedarf vor der Einheit, am Abend und am nächsten Morgen nur: „ähnlich“, „besser“ oder „deutlich schlechter“. Ein Tagesvergleich ist eine Hilfe zur Dosierung; er beweist weder Schaden noch Sicherheit. Eine einzelne Schmerzskala ersetzt keine Untersuchung.

Die nächste Stufe aus der bisherigen Erfahrung ableiten

Wenn eine Einheit mehrfach gut gelingt und verträglich bleibt, verändere zunächst eine Sache: eine Wiederholung mehr, etwas längere Gehzeit oder geringfügig mehr Widerstand. Gleichzeitige Sprünge bei Dauer, Last und Häufigkeit erschweren die Einordnung.

Wähle eine Alltagssituation als Maßstab. Brauchst du beim Aufstehen weniger Hilfe? Gelingt dieselbe Gehstrecke mit weniger Pausen? Bleibt am Ende des Tages mehr Energie? Solche Beobachtungen sind ein guter Gesprächseinstieg für das Nachsteuern.

Ein Kurs schafft Anleitung und Regelmäßigkeit

Unser Kurs zur Arthroseprävention verbindet Kraft, Beweglichkeit und Koordination. Bei bestehenden ausgeprägten Beschwerden sollte die Eignung vorab geklärt werden. Ein Präventionskurs ersetzt keine individuell benötigte Therapie.

Leitlinien und unabhängige Gesundheitsinformation

Ausgewählte Quellen

  1. IQWiG: Was kann ich selbst tun, um meine Knie zu stärken?.
  2. IQWiG: Hüftarthrose – Was kann ich selbst für meine Hüftgelenke tun?.
  3. DGOU: S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Gonarthrose, Version 5.0.

Quellen zuletzt geprüft: 5. Oktober 2026. Die deutsche S3-Leitlinie bezieht sich auf Kniearthrose; Empfehlungen werden hier nicht pauschal auf alle Gelenke übertragen.

Dieser Beitrag bietet allgemeine Information. Die praktische Umsetzung richtet sich nach betroffenem Gelenk, Beschwerden, Begleiterkrankungen und gegebenenfalls ärztlichen oder physiotherapeutischen Vorgaben.