Gesundheit & Prävention · Leukämie und Forschung

Leukämie verstehen: Was im Blut passiert und warum Forschung gebraucht wird

Leukämie wird häufig als Blutkrebs bezeichnet. Dahinter stehen unterschiedliche Erkrankungen, die sich in ihrem Verlauf und ihrer Behandlung erheblich unterscheiden. Um zu verstehen, warum Forschung hier so wichtig ist, lohnt sich zunächst ein Blick auf die gesunde Blutbildung.

Von Andreas Mayr · Stand: Oktober 2026

Wie unser Körper Blut bildet

Unser Blut wird ständig erneuert. Die meisten Blutzellen entstehen im Knochenmark, dem weichen Gewebe im Inneren bestimmter Knochen. Dort entwickeln sich aus Blutstammzellen über mehrere Zwischenstufen verschiedene Zelltypen mit unterschiedlichen Aufgaben.

Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff. Weiße Blutkörperchen gehören zur Immunabwehr und helfen beispielsweise, Krankheitserreger zu bekämpfen. Blutplättchen tragen dazu bei, Blutungen zu stillen.

Damit dieses System funktioniert, müssen Zellteilung, Reifung und Abbau aufeinander abgestimmt sein. Der Körper benötigt sowohl genügend Blutzellen als auch Zellen, die ihre jeweiligen Aufgaben erfüllen können. [1]

Was sich bei einer Leukämie verändert

Bei einer Leukämie führen Veränderungen im Erbgut von Zellen des blutbildenden Systems dazu, dass sich diese der normalen Kontrolle entziehen. Je nach Erkrankungsform vermehren sie sich übermäßig, überleben länger als vorgesehen oder reifen nicht richtig aus.

Vor allem bei akuten Leukämien sammeln sich viele unreife, nicht ausreichend funktionsfähige Zellen an. Sie können die gesunde Blutbildung im Knochenmark verdrängen. Fehlen rote Blutkörperchen, kann das beispielsweise Müdigkeit und Atemnot verursachen. Zu wenige Blutplättchen erhöhen die Blutungsneigung. Eine beeinträchtigte Immunabwehr begünstigt Infektionen.

So erklärt sich auch, warum eine hohe Zahl weißer Blutkörperchen nicht automatisch eine starke Abwehr bedeutet: Entscheidend ist, welche Zellen vorhanden sind und ob sie funktionieren. Die genannten Beschwerden können zahlreiche andere Ursachen haben; anhaltende oder ungewöhnliche Veränderungen sollten ärztlich abgeklärt werden. [1, 8]

Warum Leukämie nicht immer das Gleiche bedeutet

Zwei Unterscheidungen helfen bei der Orientierung: Wie schnell verläuft die Erkrankung, und aus welcher Zelllinie stammen die veränderten Zellen?

Akute Leukämien schreiten meist rasch voran und müssen zügig behandelt werden. Chronische Formen entwickeln sich häufig langsamer. Wie dringend eine Behandlung ist und welche infrage kommt, hängt von der konkreten Erkrankung ab.

Die Begriffe myeloisch und lymphatisch beschreiben die betroffene Zelllinie. Daraus ergeben sich Bezeichnungen wie akute myeloische Leukämie, kurz AML, oder akute lymphatische beziehungsweise lymphoblastische Leukämie, kurz ALL. Hinzu kommen weitere Untergruppen, die sich etwa durch bestimmte Veränderungen im Erbgut der Krebszellen unterscheiden. Diese Details können für die Behandlung entscheidend sein. [2]

Eine Besonderheit ist die chronische lymphatische Leukämie, kurz CLL. Trotz ihres Namens wird sie medizinisch den Lymphomen zugeordnet. Sie geht von bestimmten weißen Blutkörperchen aus, den B-Lymphozyten, und betrifft unter anderem Blut, Knochenmark und Lymphknoten. Bei vielen Betroffenen wird die Erkrankung zunächst regelmäßig kontrolliert. Behandelt wird, wenn bestimmte medizinische Kriterien erfüllt sind. Dieses überwachte Abwarten ist eine bewusste medizinische Strategie. [3]

Wie eine solche Erkrankung entsteht

Warum ein bestimmter Mensch an einer Leukämie erkrankt, lässt sich meist nicht eindeutig beantworten. Veränderungen im Erbgut der betroffenen Zellen entstehen überwiegend im Laufe des Lebens. Eine genetische Veränderung in einer Krebszelle bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Erkrankung vererbt wurde.

Einige Risikofaktoren sind bekannt, etwa bestimmte Chemikalien oder hohe Dosen ionisierender Strahlung. Bei den meisten Betroffenen lässt sich jedoch kein konkreter Auslöser feststellen.

Bewegung und eine ausgewogene Ernährung unterstützen die Gesundheit. Eine gezielte Vorbeugung gegen Leukämien durch diese Maßnahmen ist bisher aber nicht belegt. Wer erkrankt, hat damit nicht etwa zu wenig auf sich geachtet. Diese Unterscheidung ist gerade auf einer Seite über Gesundheitsprävention wichtig. [4]

Was Forschung bereits ermöglicht hat

Wie wertvoll ein genaueres Verständnis der Erkrankung sein kann, zeigt die chronische myeloische Leukämie, kurz CML. Bei ihr entsteht durch eine charakteristische Veränderung des Erbguts ein Eiweiß, das Wachstumssignale dauerhaft weitergibt. Forschende haben Medikamente entwickelt, die dieses Eiweiß gezielt hemmen.

Solche zielgerichteten Therapien haben die Aussichten vieler Menschen mit CML grundlegend verbessert. Unter wirksamer Behandlung kann ihre Lebenserwartung heute nahe an derjenigen der Allgemeinbevölkerung liegen. Dieses Beispiel zeigt, wie aus Wissen über einen Vorgang in der Zelle eine wirksame Behandlung entstehen kann. [5]

Je nach Leukämieform kommen heute unter anderem Chemotherapien, zielgerichtete Medikamente, Immuntherapien und Stammzelltransplantationen zum Einsatz. Welche Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem von den Eigenschaften der Erkrankung und der gesundheitlichen Situation des betroffenen Menschen ab. [6]

Welche Fragen noch offen sind

Die bisherigen Fortschritte sind ein Grund, weiterzuforschen. Denn die Behandlung wirkt nicht bei allen Menschen gleich gut. Manche Erkrankungen kehren zurück oder werden gegenüber Medikamenten unempfindlich. Auch die Belastungen einer Therapie bleiben eine wichtige Aufgabe.

Forschende untersuchen deshalb, wie sich Rückfälle verhindern lassen, welche Behandlungen sich sinnvoll kombinieren lassen und wie Therapien verträglicher werden können. Dazu müssen sie verstehen, welche Vorgänge Krebszellen am Leben erhalten und wo diese angreifbar sind. [5]

An solchen Fragen arbeitet auch das Team von Prof. Dr. Maike Buchner an der Technischen Universität München. Ein Schwerpunkt ist die CLL. Das Team untersucht unter anderem, wie veränderte B-Zellen überleben, welche Rolle ihre Umgebung und ihr Stoffwechsel spielen und warum sich eine zunächst langsam verlaufende Erkrankung in eine aggressive Form umwandeln kann. Aus diesen Erkenntnissen sollen neue Behandlungsansätze entstehen. [7]

Warum mir diese Forschung am Herzen liegt

Maike ist meine Frau. Deshalb möchte ich die Arbeit ihres Teams auch über das Stromstüberl sichtbarer machen. Mit diesem Artikel möchte ich erklären, worum es dabei geht und warum ein besseres Verständnis der Erkrankungen gebraucht wird.

Auf unserer Projektseite lernst du Maike und ihr Team näher kennen. Dort erfährst du auch, wie du die Leukämieforschung mit einer Spende unterstützen oder den Aufruf weitergeben kannst.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Deutsches Krebsforschungszentrum: Leukämie bei Erwachsenen
  2. Deutsches Krebsforschungszentrum: Leukämie bei Erwachsenen Einteilung
  3. Deutsches Krebsforschungszentrum: Chronische lymphatische Leukämie Überblick
  4. Deutsches Krebsforschungszentrum: Leukämie Risikofaktoren und Früherkennung
  5. National Cancer Institute: Advances in Leukemia Research
  6. Deutsches Krebsforschungszentrum: Leukämie bei Erwachsenen Behandlung
  7. Technische Universität München TranslaTUM: Buchner Lab Immune Cell Signaling in B Cell Malignancies
  8. National Cancer Institute: Acute Myeloid Leukemia Treatment PDQ Patient Version

Quellen abgerufen am 17. Oktober 2026.

Der Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.