Training & Bewegung · Muskelgesundheit · Teil 4 von 4

Funktion beobachten statt nur Muskelmasse messen

Wie fit sind meine Muskeln im Alltag?

Wie leistungsfähig Muskulatur im Alltag ist, zeigt sich nicht nur an Muskelumfang oder Trainingsgewicht. Der Five Times Sit-to-Stand Test macht eine zentrale Alltagsbewegung messbar – einfach genug für zuhause, aber nur sinnvoll, wenn Durchführung und Ergebnis richtig eingeordnet werden.

Zuletzt fachlich aktualisiert: 6. Oktober 2026

Warum Funktion oft mehr sagt als Umfang

Ein Maßband zeigt Umfang, eine Waage Körpergewicht. Beides beantwortet aber nicht die Frage, ob Beine genügend Kraft, Koordination und Geschwindigkeit für den Alltag bereitstellen. Ein einfacher Aufstehtest verbindet mehrere dieser Fähigkeiten in einer vertrauten Bewegung.

Der Five Times Sit-to-Stand Test (5xSTS) misst die Zeit, die du für fünf vollständige Aufstehbewegungen aus einem Stuhl benötigst. Er wird in Forschung und klinischer Praxis genutzt und zeigt eine gute bis sehr gute Wiederholungszuverlässigkeit. Er bildet vor allem funktionelle Beinkraft, Aufstehfähigkeit, Mobilität und Anteile der Gleichgewichtskontrolle ab. [1, 2]

Wann du den Test nicht allein durchführen solltest

Sicherheit geht vor Zeit

Führe den Test nicht allein durch, wenn du beim Aufstehen regelmäßig das Gleichgewicht verlierst, kürzlich gestürzt bist, akut starke Schmerzen hast, eine frische Operation oder Verletzung vorliegt, dir bei Belastung schwindelig wird oder eine medizinische Situation gegen zügiges Aufstehen spricht. In solchen Fällen ist eine angeleitete Beurteilung sinnvoller.

Auch wenn du die Arme zwingend zum Aufstehen brauchst, ist das eine relevante funktionelle Information. Erzwinge dann nicht die standardisierte Variante mit verschränkten Armen.

So führst du den 5x Sit-to-Stand möglichst vergleichbar durch

  1. 1

    Stuhl sichern

    Nutze einen stabilen Stuhl ohne Rollen und möglichst ohne Armlehnen. Stelle ihn an eine Wand, damit er nicht wegrutschen kann. Studien verwenden häufig eine Sitzhöhe um etwa 42–45 cm.

  2. 2

    Startposition

    Sitze aufrecht, die Füße stabil auf dem Boden. Für die standardisierte Variante werden die Arme vor der Brust verschränkt.

  3. 3

    Fünf Wiederholungen

    Stehe so zügig wie sicher vollständig auf und setze dich wieder vollständig hin. Wiederhole das insgesamt fünfmal.

  4. 4

    Zeit stoppen

    Miss die Zeit vom Startsignal bis nach der fünften vollständigen Aufstehbewegung. Verwende bei Wiederholungen denselben Stuhl und dieselbe Technik.

Kein Wettkampf

Der Test soll deine Funktion beobachten, nicht maximale Risikobereitschaft belohnen. Saubere, sichere Wiederholungen sind wichtiger als eine Zehntelsekunde.

Wie lässt sich das Ergebnis einordnen?

Für Menschen ab 60 Jahren gibt es ältere gepoolte Referenzwerte. Zeiten oberhalb von etwa 11,4 Sekunden (60–69 Jahre), 12,6 Sekunden (70–79 Jahre) und 14,8 Sekunden (80–89 Jahre) lagen in dieser Metaanalyse schlechter als der jeweilige Durchschnitt. [3]

Der europäische EWGSOP2-Konsensus verwendet für den Five-Chair-Stand-Test mehr als 15 Sekunden für fünf Wiederholungen als einen Grenzwert für niedrige Muskelkraft im Rahmen der Sarkopenie-Abklärung. [4]

ErgebnisWas du daraus ableiten kannst
Schneller als AltersreferenzGute Orientierung, aber kein Beweis für „optimale“ Muskelgesundheit.
Langsamer als AltersreferenzKann Anlass sein, Beinkraft und Funktion gezielt zu trainieren und den Verlauf zu beobachten.
>15 SekundenIst im EWGSOP2-Kontext ein Hinweis auf geringe Kraft – keine eigenständige Sarkopenie-Diagnose.
Test nicht ohne Arme möglichWichtige funktionelle Information; bei neuem oder deutlichem Verlust genauer abklären.

Was der Test nicht misst

Das Ergebnis hängt nicht nur von Muskelkraft ab. Stuhlhöhe, Fußposition, Beweglichkeit, Schmerz, Gleichgewicht, Körpergröße, Technik, Motivation und Erfahrung beeinflussen die Zeit. Deshalb sollten kleine Unterschiede nicht überinterpretiert werden.

Eine Studie mit älteren Frauen fand eine minimale nachweisbare Veränderung von etwa 2,5 Sekunden; in anderen Populationen können andere Werte gelten. Für den persönlichen Verlauf ist deshalb sinnvoller, über Wochen oder Monate nach einem klaren Trend zu suchen, statt jede einzelne Messung zu bewerten. [5]

Der beste Vergleich bist häufig du selbst

Für gesundheitsorientiertes Training gefällt uns eine einfache Nutzung besonders gut: nicht ständig testen, sondern gelegentlich unter gleichen Bedingungen beobachten. Zusätzlich kannst du qualitative Veränderungen notieren.

Zeit

Wie lange dauern fünf Wiederholungen?

Kontrolle

Bleibt die Bewegung flüssig und symmetrisch?

Anstrengung

Wie schwer fühlt sich der Test subjektiv an?

Alltag

Fallen Treppen, Aufstehen und Tragen ebenfalls leichter?

Wenn du dich verbessern möchtest

Der Test verrät nicht, welche einzelne Übung du „brauchst“. Häufig sinnvoll sind Knie- und Hüftstreckbewegungen, Step-ups, Kniebeugenvarianten, Aufstehen aus unterschiedlichen Sitzhöhen, Wadenarbeit sowie – je nach Ausgangslage – Gleichgewichts- und Schnellkraftübungen. Der Widerstand sollte so gewählt werden, dass er einen echten Trainingsreiz setzt und sich schrittweise steigern lässt.

Wer deutlich eingeschränkt ist, beginnt gegebenenfalls mit höherer Sitzfläche, Unterstützung oder therapeutischer Begleitung. Ziel ist nicht der Test selbst, sondern mehr Reserve für den Alltag.

Was du mitnehmen solltest

Ein Selbsttest ist kein Urteil, sondern eine Rückmeldung. Interessant ist nicht nur, wie schnell du heute bist, sondern ob du sicher aufstehen kannst und ob sich deine Funktion im Lauf der Zeit verbessert oder verschlechtert.

Weiterdenken

Funktion ist trainierbar

Wenn du aus der Beobachtung einen Plan machen möchtest, führen die Grundlagen zu Krafttraining und Trainingsplanung weiter.

Literatur

Ausgewählte Quellen

  1. Muñoz-Bermejo L. et al. (2021): Test-Retest Reliability of Five Times Sit to Stand Test – Systematic Review and Meta-Analysis.
  2. Albalwi A. A., Alharbi A. A. (2023): Optimal procedure and characteristics in using five times sit to stand test among older adults.
  3. Bohannon R. W. (2006): Reference values for the five-repetition sit-to-stand test.
  4. Cruz-Jentoft A. J. et al. (2019): EWGSOP2 – Sarcopenia: revised European consensus.
  5. Goldberg A. et al. (2012): The five-times-sit-to-stand test: validity, reliability and detectable change in older females.

Hinweis: Die Beiträge dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische Diagnose oder Behandlung.